News vom 10.03.2009 00:00
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10.03.2009 00:00

Dauerthema: Teure Chat SMS

Gerade lief auf Akte 09 (zum xten Mal) ein Bericht unter dem Jahrhundert-Unwort "Abzocke" über die bösen Buben mit den teuren SMS Nummern.

Hintergrund sind Chat-Plattformen, die nur über sogenannte Kurzwahl-Rufnummern erreichbar sind, an die eine SMS gesendet wird, in der Regel zum Preis von 1,99 Euro/SMS.
Es scheint mittlerweile eine Sport der privaten TV Sendeformate wie "Akte 09", "Planetopia", "Stern TV" & Co. zu sein, mit dem Wort "Abzocke" im Kopf morgens aufzustehen und Abends wieder schlafen zu gehen.
Maximal kann der Inhalt dieser Sendungen aus unserer Sicht als reißerische Stimmungsmache, bestenfalls jedoch als plakative Desinformation bezeichnet werden. Was uns jedoch so richtig verwundert und auch teilweise traurig stimmt, ist, dass selbst Sendeformate der öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten, wie beispielsweise "Wiso" im ZDF oder "Plusminus" in der ARD auf Kosten echter Informationen und zu Gunsten einer mitreißenden Berichterstattung auf wertvolle Inhalte verzichten.

Doch nun zum Thema:
Mal angenommen, Ihr erhaltet auf Euer Handy eine SMS mit einer Nachricht wie "Hi, mein Name ist Susi, habe Dich letztens auf einer Party gesehen und mich nicht getraut Dich anzusprechen. Jetzt habe ich aber über eine Freundin Deine Handynummer rausgefunden und dachte, ich schreibe Dir mal. Würde mich über eine Antwort freuen und hoffe es geht Dir gut?"

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten der Reaktion, je nachdem ob diese "Lock-SMS" eine Frau oder ein Mann erhält. (Die SMS Chatsysteme wissen nämlich nicht, wen sie ansimsen, in der Regel werden die Handynummer per Software zufällig validiert). Falls eine Frau die SMS erhält und sie nicht zufällig lesbisch ist (wobei Frauen ohnehin wesentlich kritischer nachhaken als Männer), wird die SMS schnellstens im Papierkorb landen.
Sollte der Empfänger jedoch ein Mann sein, trennt sich von nun an der Blauaugen-Spreu vom Intelligenz-Weizen. (Bevor wir diese Geschichte weiter ausführen sei deutlich bemerkt: NUR MÄNNER SIND ZIELGRUPPE dieser Geschäftsidee, Frauen fallen nur sporadisch bis gar nicht ins Gewicht - siehe Bemerkung oben)

Unsere Lock-SMS erreicht also einen Mann und der gehört nun zufällig zur Kategorie "Blauaugen-Spreu". In seiner Eigenschaft als heroischer Vertreter seines Geschlechts denkt er: "Wow, da ist doch ein Mädel, dem ich aufgefallen bin und ich muss ja wirklich einen starken Eindruck hinterlassen haben. DAS WIRD DIE ROMANZE MEINES LEBENS!"
Bingo, unser Blauaugen-Mann gehört von nun an zur Klientel der 1000,-- bis 5000,-- Euro Handyrechnung, die er sich natürlich nachher nicht erklären kann, alle anderen dafür verantwortlich macht und selbst das Unschuldslamm vor dem Herren ist. (Was in gewisser Weise ja auch stimmt, nur sollte er kein Handy mehr führen dürfen!)
Wäre unser SMS-Adressat von der Kategorie "Intelligenz-Weizen", dann hätte er sich zunächst die Absendernummer angeschaut und dabei wäre ihm aufgefallen, dass die SMS nicht von einer gewöhnlichen Handynummer mit 0151 oder 0172 oder 0160 am Anfang und weiterer mindestens 7 Folgeziffern versandt wurde, sondern von einer Nummer bestehend aus nur FÜNF ziffern. Mit seinem flauen Gefühl in der Magengrube entschließt sich unser Handybesitzer, die SMS zu ignorieren/zu löschen. Bravo, er spart in diesem Augenblick sehr viel Geld!

Wie funktioniert ein SMS Chat genau?
Es gibt auch hier zwei Ausgangsmöglichkeiten.
Erstens, ich entdecke im Internet einen SMS Dating Chat. Dort sehe ich eine Person, mit der ich in Kontakt treten möchte. Eine fünfstellige Kurzwahlnummer wird dort zur Kontaktaufnahme angeboten.
Kosten für die SMS: in der Regel 1,99 Euro pro SMS

Zweitens, und das ist die häufigere Art, mit einer Kurzwahl in Berührung zu kommen, ich erhalte aus heiterem Himmel eine SMS auf mein Handy mit einer fünfstelligen Kurzwahlnummer vom Absender. Dahinter stehen SMS Server, die über ein SMS Gateway (die Verbindung zwischen Chatanbieter und Mobilfunkbetreiber) mehrere hundert (manchmal tausende) SMS wahllos an validierte Mobilrufnummern versenden. Die Handybesitzer hinter diesen Nummern sind nicht bekannt, die Verteilung ist rein zufällig. Mit dem Empfang einer solchen Lock-SMS sind für den Handybesitzer noch keine Kosten entstanden. Erst wenn er auf die fünfstellige Kurzwahlnummer antwortet entstehen Kosten (besagte 1,99 Euro/SMS).
Die Kosten für den Chatbetreiber für seine blind versandten Lock-SMS sind recht moderat, meist nur zwischen 3 und 6 Cent pro SMS. Interessant ist das Geschäftsmodel insofern, dass ein einmal antwortender Handybesitzer meistens dutzende weitere SMS an die teure Kurzwahlnummer versendet.
Die Animation für das ständige Versenden der SMS übernehmen sogenannte Moderatoren oder auch Operator. Sie gaukeln eine "Tanja", eine "Sabrina", eine "Nicole" oder eine "Michaela" vor, sitzen am Chat Terminal und sind meistens männlich!!

Das blosse Existieren von Kurzwahlrufnummern (auch als Shortcode bekannt, zB. 33333, 44455, 21212) als Abzocke zu bezeichnen, ist jedoch schlichtweg Blödsinn. Im Grunde sind die Kurzwahlnummern für den Einsatz zur Abrechnung von Mehrwertdiensten gedacht. So nutzen beispielsweise die Telekom unter 11833 ihren Auskunftsdienst, wie auch die Telegate unter 11880. Beide Nummern verursachen ebenfalls hohe Kosten (mehr als 2,-- Euro/Minute) und werden dennoch häufig genutzt. Selbst die Stiftung Warentest oder auch die Verbraucherzentrale Berlin nutzen u.a. zur Abrechnung ihrer Dienstleistungen Mehrwertrufnummern, dort handelt es sich um 0900er Nummern, die mit bis zu 1,86 Euro/Minute Gesprächskosten abgerechnet werden.

Das Prinzip der Abrechnung über die Mobilfunkrechnung oder Telefonrechnung ist insofern schlüssig und transparent. Bei Kurzwahlrufnummern und Mehrwertrufnummern müssen immer die Kosten genannt werden. Nur wenn die nachweislich nicht mitgeteilt werden, kommt ein vermeintlich Geschädigter ggf. um die Bezahlung seiner Rechnung herum. Damit das jedoch nicht passiert achten die Netzbetreiber meist peinlich auf die Einhaltung dieser Vorschriften.

Unser Fazit zum "Abzocke"-Schmuh aus Akte 09:
Wer per SMS Chat seine grosse Liebe oder auch den One Night Stand sucht, steht auf verlorenem Posten. Betrachtet, als mögliche Geschädigte, die hohe Handyrechnung als (leider teures) Lehrgeld (oder Entertainment).

Die Liebe ist kein Vöglein, das zufällig auf die Hand fliegt und sagt: "Da bin ich, nimm mich!". Sie ist eher ein Od, dass erarbeitet werden muss und ständiger Wartung und Aufmerksamkeit bedarf, damit es bleibt wo es ist.

PS: Wir haben kein Problem mit kreativen Geschäftsideen, auch wenn wir sie für Single's Whiteboard nicht dulden. Was auch ein Grund dafür ist, dass viele der weiblichen Profile, die hier angemeldet werden keinen Zutritt erhalten (Was nicht heißt, dass uns hin und wieder mal ein Fisch durchs Netz schwimmt).

Wir glauben (im Diskurs zu unserer obigen, überzogenen Darstellung) jedoch nicht, dass "Mann" sich dumm und unwissentlich auf solche - wie in dem von Akte 09 beschriebenen Fall - Experimente einläßt. "Mann" weiß sehr wohl, das er auf der Suche nach Seinem persönlichen Glück Geduld und eine gute Portion Menschenverstand mitbringen muss.
Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass die "sensiblen" Herren aus dem Bericht ihr Handeln nicht einschätzen konnten. Sehr wohl wussten sie - unseres Erachtens nach - was auf sie zukommt.

Insofern, liebe Privatsender, Glückwunsch wieder mal für eine unausgewogende, desinformierende und unterhaltsame Darstellung zum Zwecke der Quotensicherung. Doch unabhängig des fehlenden Knowhows für solche Themen ist zumindest eines sicher: Männer sind bestimmt nicht - NAIV!


Euer SWB Team
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