Der Begriff "Single" ist zwar einerseits heute leicht "identifizierbar", andererseits gibt es noch keine allgemeingültige Definition, wie beispielsweise die der Ehe, des Witwers oder der gleichgeschlechtlichen
Beziehung.
Wen identifizieren wir denn nun, wenn wir über Singles reden?
- den Studenten in seiner Einzimmerwohnung?
- das alleinerziehende Elternteil?
- den verwitweten Lebenspartner?
- den dauerhaft auswärtstätigen Arbeitnehmer?
- die in einer Beziehung Stehenden, jedoch in getrennten Wohnungen Lebenden?
So genau einig ist sich unsere Gesellschaft noch nicht. Allerdings gibt es seit Mitte der '90 eine
Definitions-Richtung, die sich ungefähr so anhört:
Anfang 25 bis Mitte 50, gutes Einkommen, egoistisch, nicht beziehungsfähig oder beziehungswillig.
Egoistisch deshalb, weil ein mangelndes Veranwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft unterstellt wird. Schliesslich geht es um Familie, Kinder, Rentenbeiträge (etwas überspitzt und vereinfacht).
Vergessen wird dabei, dass
Singles KEINE Vergünstigungen erhalten, sie zahlen im Verhältnis mehr Steuern und Sozialbeiträge.
"Der Single männlichen und weiblichen Geschlechts ist nicht unbedingt auf Dauer Single, aber er wartet auch nicht darauf, nun «um jeden Preis» wieder als Paar zu leben. Dies betrifft noch mehr die Frauen als die Männer: Geschiedene Frauen heiraten seltener wieder als geschiedene Männer - vorausgesetzt, sie haben einen qualifizierten Beruf. Sind sie berufslos oder unqualifiziert, dann allerdings versuchen sie möglichst schnell, wieder in einer Ehe
«unterzuschlüpfen» . Obwohl uns die Statistiken darüber nichts sagen können, ist man versucht zu interpretieren: Sie versuchen, in einer Ehe «unterzuschlüpfen», auch wenn's beileibe nicht der Traumprinz ist, sondern der alte Rentner, der die Versorgung sicherstellt. Männer, so sagt wiederum die Statistik, sind in der Altersgruppe der Dreißig- bis Fünfzigjährigen etwas öfter Singles als Frauen; sie sind aber beruflich oft nicht ganz so qualifiziert wie die Frauen, und einige von ihnen kommen mit dem Single-Leben gar nicht so gut zurecht: Sie sind öfter krank, haben eine geringere Lebenserwartung, verfallen öfter dem Alkohol. Für Frauen gilt dies nicht."
Quelle: Eva JAEGGI, 1993
Dennoch wird heute über das "Thema" Single in fast allen Medien in regelmässigen Intervalen berichtet.
Es scheint fast so, als machen sich Ängste breit, so wie das immer ist, wenn etwas Neues, Unbekanntes
ins Leben tritt. Nicht die Tatsache, dass Männlein und Weiblein sich einzeln dem Überlebenskampf stellen (das
gab es im Grunde schon früher) beunruhigt die Gemüter, es ist der vermeintlich hohe Anteil alleinlebender Personen, die auch noch ziemlich genau wissen, wie sie Ihr Leben lenken wollen.
"... die Bevölkerungsgruppe der Singles (wird sich) normalisieren
(...). Normalisieren heißt, daß Singles
allmählich auch jenen Bevölkerungsgruppen, Werthaltungen und Lebensstile angehören werden, in denen sie bislang wenig vertreten sind. Überspitzt ausgedrückt: Singles werden, außer der Tatsache, daß sie allein leben, immer weniger an sich haben, das sie von anderen unterscheidet. Singles werden genau so unterschiedlich sein,
wie heute beispielsweise Ehepaare. Das würde bedeuten, daß sich auch ansteigende Zahlen von Singles in ihrer
Bedeutung entscheidend relativieren. Wenn Singles in vieler Hinsicht «ganz normale» Mitbürger sind, werden
manche Befürchtungen ebenso gegenstandslos wie großangelegte Befürchtungen.
Quelle: Stefan Hradil, 1995
Heute gehen einige Experten, inspiriert durch Untersuchungen und Bevölkerungsumfragen dazu über, die
"Singlegesellschaft" lediglich als gesellschaftliche Zwischenstation einzustufen.
Hintergrund ist einerseits das grundsätzliche Bedürfnis des Menschen, nicht dauernd alleine leben zu wollen,
andererseits bestätigen Meinungsumfragen von Singles zwischen 25 und 49 Jahren, das sie zwar grundsätzlich mit ihrem Leben zufrieden sind, jedoch eine Zweisamkeit vorziehen würden.
Die interviewten Singles vermittelten in der Mehrzahl ein gesundes Selbstbewusstsein, Zufriedenheit mit Ihrem Einkommen und das Gefühl, relativ wenig Kompromisse eingehen zu wollen, wenn es um ihrem Lebensstil ging.
Einsamkeit war überwiegend kein Thema, das soziale Netz ist bei den meisten Singles vorhanden.
Vielleicht beisst sich die Katze ja genau da in den Schwanz: Einerseits ist ein gesundes Selbstbewusstsein
nötig, wenn es darum geht, Dinge zu bewegen und Verantwortung zu übernehmen.
Andererseits: Wie lösen zwei in
Ihrem Lebenrythmus individualisierte Persönlichkeiten ihre potentiellen, gemeinsamen Probleme?
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Redaktion SWB